L – Lippenstift

„If you’re sad, add more lipstick and attack.“ 
– Coco Chanel

2017-04-03 13.19.37

Die vielleicht einflussreichste Modeschöpferin war nicht die erste, die die transformierende Wirkung von Lippenstift erkannt hat, denn dieses Schminkprodukt ist schon deutlich älter als die elegante Französin. Bereits Nofretete, Königin im alten Ägypten (im 14. Jh. v. Chr.) betonte ihre Lippen künstlich mit roter Farbe. Seitdem ist Lippenstift ein Klassiker, der in beinahe jedem Schminktäschchen zu finden ist. Vor allem roter Lippenstift ist zum Inbegriff der Weiblichkeit und Eleganz geworden, obwohl die Farbpalette mittlerweile jegliche nur denkbare Schattierung, von Neonpink bis hin zu Mattschwarz umfasst.
Die Präferenzen was Lippenstift angeht sind so unterschiedlich und individuell, dass eine allgemeingültige Erklärung oder Schminkanleitung unmöglich ist.

In der überwältigenden Auswahl an Lippenstift besteht heutzutage auch die Schwierigkeit, sie ist gleichsam Segen und Fluch.

Die Farbe

Wer noch keinen Lippenstift besitzt und gerne wüsste, welche Farbe sich für besonders gut für Lippenstiftneulinge eignet, dem empfehle ich zweierlei:

  • ein natürlicher ‚Nude’-Ton, also eine Farbe, die der eigenen Lippenfarbe entweder ähnelt, oder die eine andere, aber ebenfalls natürlich wirkende Lippenfarbe widerspiegelt. Man sollte sich dabei, natürlich je nach eigener Haut- und Lippenfarbe, nach Braun-, Beige- und Rosétönen umschauen – und dann einfach ausprobieren, worin man sich selbst am wohlsten fühlt. ‚Nude’ kommt übrigens vom englischen Begriff für ‚nackt’.
  • ein klassisches Rot. Ob es matt, glänzend, dunkel beerig oder knallig ist, das bleibt, wieder einmal, jedem selbst überlassen. Tipp: Blaustichige (also kühle) Rottöne lassen die Zähne weißer wirken und sind daher oft vorteilhafter in dieser Hinsicht als orangenere und wärmere Töne.

Ansonsten sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Ich persönlich habe nicht mehr als eine Handvoll Favoriten, die mich durch das ganze Jahr hinweg begleiten, aber je nach Jahreszeit kommen einige Farben hinzu. Im Herbst mag ich beerige Töne, im Winter und um Weihnachten herum gerne Rottöne. Nur im Frühling trage ich hin und wieder Rosa und im Sommer auch mal korallfarbene und pfirsichfarbene Töne.

2017-04-03 13.40.55

Das Finish

Wie auch bei der Foundation gibt es bei Lippenstiften verschiedene ‚Finishes’. Dieser Begriff beschreibt die Textur und das allgemeine Erscheinungsbild, das das Produkt nach vollendetem Auftrag auf Haut, bzw. Lippen annimmt.

Um das Ganze noch etwas verwirrender zu gestalten, hat das einflussreiche Beauty-Unternehmen MAC seine Lippenstifte in nicht weniger als acht Lippenstift-Finishes unterteilt. Diese Kategorisierung ist mittlerweile recht etabliert in der Kosmetikwelt und wird oft verwendet, um auch Lippenstifte anderer Marken genauer zu beschreiben.

Die MAC-Finishes zu erklären würde jedoch den Rahmen dieses Beitrags sprengen, weswegen ich mich nur auf die meiner Ansicht nach wichtigsten konzentrieren werde:

Finish | Deckkraft deckend | hochpigmentiert nicht deckend
glänzend Dieser Lippenstift ist bereits ein Statement und ein wenig anspruchsvoller im Auftrag als das weniger deckende Pendant. Er trocknet weniger aus als die matte Variante, hält aber auch nicht ganz so lang auf den Lippen. Der perfekte, nicht besonders auffällige Alltagslippenstift. Leicht aufzutragen, es wird meist weder Liner noch Spiegel dazu benötigt. Trocknet die Lippen nicht aus, hält aber auch nicht besonders lang. Zu dieser Kategorie zählt auch Lipgloss.
matt Der wohl auffälligste aller Lippenstifte. Matt ist eigentlich auch immer sehr deckend. Er hält sehr lange auf den Lippen, trocknet diese aber auch leicht aus. Am besten man verwendet einen guten Pflegebalsam darunter. Beim Auftrag muss man sehr genau arbeiten, jede Ungenauigkeit fällt sofort auf. Ein Liner ist empfehlenswert. Wird die Farbe nicht abschließend abgetupft oder abgepudert, landet sie gerne auch mal auf den Zähnen. Diese Kombination kommt eigentlich kaum vor, da eine matte Textur eigentlich immer ein Statement setzt. Bei einer geringen Deckkraft entfällt dieser Effekt und die Lippen werden unnötig beansprucht. Eine mögliche Variante ist die Verwendung von Lipliner ohne Lippenstift. Zu den Eigenschaften des Lipliners zählt natürlich, dass er sehr lange auf den Lippen hält, er ist allerdings weniger stark pigmentiert als der dazu passende Lippenstift.

2017-04-03 14.30.55

Die Verwendung

Wie schon erwähnt ist der Auftrag eines Lippenstifts einfacher, je geringer die Deckkraft, da leichte Ungenauigkeiten überhaupt nicht auffallen. Je deckender (und matter) jedoch das Produkt, desto genauer muss man arbeiten. Diese Tipps und Tricks können dabei helfen:

Lipliner

Ein zusätzlicher Schritt in der Schminkroutine – und daher nur bei wirklich auffälligen Farben zu empfehlen.

Lipliner hat verschiedene Funktionen:

Er verhindert das ‚Auslaufen’ der Farbe in die kleinen Fältchen um die Lippen und sorgt dafür, dass die Form erhalten bleibt.

Er macht die darauffolgende Lippenstiftfarbe länger haltbar und kann daher auch auf der ganzen Lippenfläche aufgetragen werden, und nicht nur am Rand. Länger haltbar ist fast immer gleichbedeutend mit austrocknend, Lipliner ist daher mit Vorsicht zu genießen, gerade wenn man ohnehin schon unter empfindlichen oder trockenen Lippen leidet.

Er intensiviert die Farbe. Wenn ein roter Lipliner als Basis aufgetragen wurde, dann wirkt der Lippenstift noch knalliger.

Die Farbe des Lipliners sollte entweder genau dem Lippenstiftton entsprechen (gerade wenn man die Lippenkontur leicht überzeichnen möchte) oder ein passender Nude-Ton sein (wenn er nur die ‚Haltbarkeit’ der Farbe verlängern soll). Falls man nur das ‚Auslaufen’ der Farbe verhindern möchte, aber nicht für jeden Lippenstift einen passenden Liner kaufen möchte, dann kann man einen farblosen Lipliner erstehen, der genauso aufgetragen wird wie ein farbiger, nur eben ohne den überzeichnenden Effekt.

Pinsel

Ein guter, feiner Lippenstiftpinsel vereinfacht den Prozess des Lippenstiftauftragens ungemein. Darüber hinaus macht er das Ganze um einiges hygienischer. Einfach etwas Farbe auf den Pinsel auftragen und lospinseln – ich arbeite meist an Rändern und Mundwinkeln mit dem Pinsel, tupfe dann die Farbe direkt vom Stift auf die Lippenmitte und verblende diese wiederum mit dem Pinsel.

Kosmetiktücher

Der letzte Schritt beim Lippenstiftauftrag ist das fachmännische Abtupfen mit einem Kosmetiktuch und zu vermeiden, dass nicht nur die Lippen in der Lieblingsfarbe erstrahlen, sondern nach wenigen Minuten auch gleich alle Vorderzähne. Gesetzt den Fall, dass dies nicht der erwünschte Look ist, empfiehlt es sich ein Kosmetiktuch (Taschentücher oder Toilettenpapier funktionieren gleichermaßen) zur Hand zu nehmen und dies einmal kurz zwischen die Lippen zu legen und diese darauf zu drücken. Die inneren Lippenränder sind danach weitestgehend von Lippenstiftrückständen befreit.

Falls sich kein Tuch in greifbarer Nähe befindet, so tut es auch der Zeigefinger. Diese Methode wirkt zunächst etwas seltsam, ist aber ebenso effektiv: Einfach den (sauberen!) Finger in den Mund stecken, die Lippen darum schließen und den Finger bei geschlossenen Lippen wieder herausziehen. Nun ist der Farbüberschuss am Finger und landet nicht später auf den Schneidezähnen.

Puder

Wie immer dient Puder auch beim Lippenstift dazu, ihn zu fixieren (und somit haltbarer zu machen) und zu mattieren. Natürlich nimmt Puder der Farbe beim stupfen Aufpinseln alle Intensität und ruiniert die feine Pinselarbeit, die wir zuvor geleistet haben.

Man verwendet es daher wie folgt: Man nimmt ein möglichst dünnes Kosmetiktuch (wer besonders penibel ist, versucht am besten, nur eine einzige, dünne Lage des Tuches zu extrahieren) und legt dieses ganz behutsam auf die Lippen, um das farbliche Kunstwerk nicht zu ruinieren. Anschließend stäubt man mit einem Pinsel großzügig losen Puder auf dieses Tuch. Feine Puderpartikel werden durch das Tuch hindurch auf die Lippen gelangen und die Farbe dort fixieren. Dies ist eine sehr fortgeschrittene Taktik, die für den Alltag meines Erachtens nach eher untauglich ist.

Concealer

Um die Farbe knalliger erscheinen zu lassen oder die Lippenkontur besser nachziehen z8u können, eignet sich Concealer. Man trägt diesen entweder um die Lippen herum auf (Lippen zusammenkneifen, bis sie im Mund verschwinden erleichtert den Auftrag) oder auch auf dem Lippenrot auf. Die Haut um die Lippen herum, gerade im Bereich der Mundwinkel, ist häufig stärker pigmentiert. Der Concealer gleich dies aus und lässt die Farbe strahlen. Unter dem Lippenstift hat Concealer eine ähnliche Wirkung wie Lipliner, kann aber auch austrocknen.

2017-04-03 12.58.43

Überzeichnen der Lippen

Spätestens seit Kylie Jenner ist diese Schminktaktik wieder ein riesiger Trend geworden. Man muss sich allerdings bewusstmachen, dass es viel Übung und sehr genauer Arbeit bedarf, um diesen Trend zu meistern. Stark überzeichnete Lippen sehen fast immer künstlich und schlecht geschminkt aus, natürlich wirken sie eigentlich nur auf Fotos oder bei richtiger Beleuchtung. Der Grund dafür ist, dass die Lippenkontur (sowie die Lippen selbst) natürlich erhoben ist. Wenn man die Kontur mithilfe eines Lipliners künstlich darüber hinaus erweitert, so mag dies zwar von der Farbe her gut aussehen, nicht jedoch von der Lippenform her.

Kleinere Lippenschwindel fliegen jedoch nur selten auf, sofern man sorgfältig schminkt. Am besten man verblendet zunächst ein wenig Concealer über die Lippenkontur. Dann folgt man mit einem frisch gespitzten Lipliner der natürlichen Kontur und erweitert diese vorsichtig und Schritt für Schritt an den gewünschten Stellen. Am besten von den Mundwinkeln aus hin zur Lippenmitte arbeiten, so verhindert man, dass die Lippenform flach zu den Winkeln hin abfällt und den Mund missmutig wirken lässt.

2017-04-03 13.04.43

 

xx Nadine

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s