C – Colour Correcting

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Die Beauty-Regale in Parfümerien und Drogerien gleichermaßen haben sich im letzten Jahr zusehends mit Produkten einer Kategorie gefüllt, deren Benennung verwirrend und deren Funktion schleierhaft ist. Nur eine Handvoll Eingeweihter scheint zu wissen, wie sie die fröhlich-bunten Cremes, Stifte und Puder zu verwenden hat, die sich so munter in den Produktregale tummeln.

Jede Beauty-Marke, die etwas auf sich hält, hat mittlerweile mindestens ein „colour correcting“-Produkt in ihr Sortiment aufgenommen. Die eben erwähnten Eingeweihten sind Makeup-Artisten und Schminkliebhaber; all jene, deren Schminktäschchen sich eher auf Lippenbalsam und Puder beschränkt, fühlen sich dabei vermutlich an solche Farben erinnert, die Kinder an Fasching in Tiger und Drachen verwandeln.

Was verbirgt sich also hinter dem Trend?

So funktioniert’s:

Wer der englischen Sprache mächtig ist, der weiß bereits, dass wir mit diesen Produkten eine Farbkorrektur vornehmen möchten. Genauer gesagt verwendet man beim Colour Correcting Produkte in den verschiedensten Farben, um bestimmte Farbuntertöne im Gesicht auszugleichen und somit zu kaschieren. Dabei arbeitet man mit den bereits aus dem Kunstunterricht bekannten Komplementärfarben.

Zur Orientierung hilft ein Farbkreis:

farbkreis_komplementarfarben

Es gilt: Die jeweils gegenüberliegenden Farben neutralisieren sich gegenseitig.

Farben:

Hier findet sich ein Überblick über die populärsten Farbtöne bei farbkorrigierenden Produkten und deren Anwendungsgebiete:

Grün: Der Farbkreis zeigt, dass Grün die Komplementärfarbe zu Rot ist. Hat man also gerötete Hautstellen oder Pickel, schafft ein grünstichiger Concealer Abhilfe. Da Rötungen im Wangenbereich, geplatzte Adern oder Pickel ein verbreitetes ‚Leiden’ sind, erfreuen sich die grünen Cremes großer Beliebtheit. Wenn die Produkte richtig eingesetzt werden, sind sie äußerst effektiv und neutralisieren sogar starke Rötungen bei Akne oder Rosacea. Auch nach einem Sonnenbrand kann zumindest optisch der Schaden mit einem grünstichigen Primer oder ein wenig grünem Concealer minimiert werden. Wenig ist hierbei allerdings das Schlüsselwort – Shrek und Hulk sind zwar tolle Helden, aber aussehen wie sie möchten wir wohl trotzdem nicht.

Pfirsich- oder Lachsfarben: Mindestens genauso praktisch wie Grün ist Pfirsichfarben („peach“) in der Schminkwelt, denn mit ihr lassen sich ganz einfach Augenschatten verbergen. Pfirsichfarben vereint verschiedene Nuancen von Rot, Orange und Gelb – die Komplementärfarben zu Grün, Blau und Violett. Falls die Augenpartie diese Farben aufweist, dann ist die Lösung hiermit gefunden. Sind die dunklen Ringe einmal kaschiert, strahlt die Augenpartie und das Gesicht wirkt wacher und jünger.

Gelb: Auch Gelb hat diesen aufhellenden Effekt und lässt das Gesicht oft frischer wirken. Da Violett durch gelb neutralisiert wird, haben lilafarbene Venen keine Chance gegen Cremes dieser Farbfamilie. Bei vielen Menschen sieht man Venen besonders deutlich im Augenbereich, wo die Haut sehr dünn und durchscheinend ist. Auch blaue Flecken sind (entgegen ihres Namens) häufig Violett und können beispielsweise durch gelben Concealer sehr gut versteckt werden.

Orange: Als Gegenfarbe zu Blau wird Orange sicher eher seltener benötigt. Bei einem dunkleren Teint kann diese Farbe die Haut zum Strahlen bringen und wirkt damit ähnlich wie Gelb oder Pfirsichfarben bei helleren Hauttypen.

Violett: Wir wissen bereits, dass Violett und Gelb sich neutralisieren. Auch wenn man es zunächst nicht denkt, ist auch Gelb ein sehr verbreiteter Unterton. Wer häufig über fahle, müde wirkende Haut klagt, der ist vermutlich mit einem lilafarbenen Produkt (z.B. einem Primer) sehr gut beraten.

Erscheinungsformen:

Nun, da wir eine Vorstellung davon haben, was die einzelnen Farben bewirken können, bleibt noch zu klären in welcher Produktform diese Farben am besten zum Einsatz kommen. Die beliebteste Darreichungsform ist auf jeden Fall der Concealer. Einige Marken bieten jedoch auch Primer und Puder in diesen Farben an. Bei der Produktwahl kommt es hier ganz auf persönliche Präferenzen an. Primer sind oft weniger stark pigmentiert und bieten sich an, wenn man größere Bereiche neutralisieren möchte.

Ich persönlich bevorzuge für die grüne Farbe einen Concealer, da diese stärker pigmentiert und gezielt auftragbar sind. Damit eignen sie sich sehr gut zum Abdecken von Pickeln oder geplatzten Äderchen. Gegen Augenschatten eignet sich aus den gleichen Gründen ebenfalls die deckende Konsistenz eines Concealers (in Pfirsich). Für flächendeckendere Probleme wie fahle Haut ziehe ich einen Primer oder Puder vor (in Lila oder Gelb).

Anwendung:

Hat man das beste Produkt für sich gefunden, dann folgt als nächstes der Griff zum Pinsel (ich setze den Kauf als Zwischenstufe mal voraus) und der Farbkorrektur steht nichts mehr im Wege.

Wichtig: Man arbeitet am besten schichtweise – man beginnt mit sehr wenig Produkt, verblendet dies sorgfältig und fügt nach Bedarf weitere Schichten hinzu.

Noch wichtiger: Man kann verblenden so viel man möchte, im Tageslicht wird die Farbe dennoch erkennbar sein. Daher folgt nun der essenzielle zweite Schritt: es wird ein neutraler Concealer, der dem eigenen Hautton entspricht, über die nun ‚farbkorrigierten’ und somit neutralisierten Bereiche aufgetragen. Da diese Extraschicht Concealer als Abschluss der Farbkorrektur nötig ist, ist es eben besonders wichtig, dass man nicht zu viel Produkt verwendet. Sonst ist der schöne Effekt futsch, die Arbeit umsonst, das Produkt schnell leer und das Gesicht offensichtlich und unnatürlich stark geschminkt.

Fazit:

Es hat seine Gründe, warum Colour Correcting lange Zeit überwiegend Schminkexperten vorbehalten war – die Technik erfordert ein sehr gutes Geschick im Umgang mit den Produkten und ein geschultes Auge bei der Erkennung von Farbuntertönen in der Haut.

Wer jedoch mit allen Grundlagen der Schminktechnik vertraut ist und ausreichend Zeit für diesen Extraschritt hat (sorgfältiges Verblenden braucht seine Zeit), der kann mit Colour Correcting noch individueller auf die verschiedensten Probleme eingehen und fantastische Ergebnisse erzielen.

Colour Correcting setzt allerdings auch voraus, dass es etwas gibt, was korrigiert werden kann (und muss, siehe meine Schminkphilosophie). Die meisten kleinen Makel, wie Pickelchen, leichte Augenringe oder Pigmentstörungen lassen sich problemlos mit einem neutralen Concealer kaschieren. Sind die Verfärbungen stärker, kann man genauso gut zu einem etwas deckenderen Concealer greifen. Erst wenn der ‚herkömmliche’ Concealer versagt (z.B. bei Akne, Rosacea, Feuermalen, sehr fahler Haut, starken Augenringen) ist Colour Correcting wirklich sinnvoll.

Auch sollte man sich bewusstmachen, dass mit Colour Correcting zwar Einfluss auf die Farbe der Haut genommen werden kann, die Textur allerdings unverändert bleibt. Pickel werden also nicht mehr rot sein, aber durch die Schwellung trotzdem nach wie vor erkennbar.

Der Trend Colour Correcting ist demnach keine bahnbrechende Neuerung und kann auch keine Wunder vollbringen. Für Makeup-Liebhaber und Experimentierfreudige lohnt es sich jedoch, auf den fahrenden Zug aufzuspringen und sich ein eigenes Bild von diesem Trend zu machen.

Für Anfänger empfehle ich entweder einen farbigen Primer, der wegen seiner geringeren Deckkraft einfacher zu handhaben ist, oder eine nicht allzu teure Palette, in der gleich mehrere Farbtöne enthalten sind. Wenn es euch zu bunt wird, könnt ihr diesen Extraschritt ja auch problemlos wieder aus eurer Makeup-Routine streichen.

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xx Nadine

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